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Walter Gürtler 2 HP 16.10.11

Walter Gürtler im Atelier, 16.10.2011

Walter Gürtler, auch Walthari Gürtler (* 25. Juli 1931 in Allschwil; † 30. August 2012 im Spital Moenschberg in MülhausenW, FrankreichW), war ein Schweizer BildhauerW mit Heimatort CH-4123 Allschwil.

Leben

Walter Gürtler wurde als drittes und jüngstes Kind des Gemeindeförsters Josef Gürtler und dessen Frau Marie Gürtler-Valentin in Allschwil geboren, wo er die Primar- und Sekundarschule besuchte. Nach der SteinmetzlehreW bei Alvin Seifried in Basel, der Ausbildung zum SteinbildhauerW bei Jakob Weder in Riehen und Kursen an der KunstgewerbeschuleW Basel (heute Hochschule für Gestaltung und Kunst) mit den Schwerpunkten Schrift, GestaltenW, AktzeichnenW und Aktmodellieren erlangte er am 30. April 1952 das Fähigkeitszeugnis zum Steinbildhauer. Nach der Rekrutenschule als GrenadierW und einem WanderjahrW durch ItalienW, Frankreich, GriechenlandW, SpanienW, HollandW und DeutschlandW arbeitete er von 1954 bis 1955 als MesseW-Boy auf den Hochseeschiffen Basilea und Carona im Pendelverkehr von Europa nach SüdW-, MittelW- und NordamerikaW und HaitiW.

Von 1955 bis 1960 wohnte und arbeitete Walter Gürtler als freischaffender Künstler im Elternhaus in Allschwil. 1958 präsentierte er im Rahmen der Ausstellung «Plastik im Freien» in Biel seine Eichenskulptur «Die Ackerdistel / Grosse Sonne». 1960 zog Walter Gürtler an die Hammerstrasse und richtete sein Atelier an Mühlheimerstrasse in Kleinbasel ein. 1961 erwarb er die profanierteW SynagogeW in HégenheimW/Frankreich, die ihm seither als Wohnung und Atelier diente.[1] Von 1963 bis 1968 gehörte er der Künstlervereinigung «Gruppe 33» in Basel an und nahm an den Weihnachtsausstellungen in der Kunsthalle Basel teil.[2] 1964 fertigte er für die Basler Titus Kirche als «Kunst-am-BauW»-Arbeiten die Backsteinreliefs
Walter Gürtler Kreuzkelch HP 1964

Kreuzkelch in Titus Kirche Basel, Backstein, 1964, H 465 cm, B 713 cm, T 15 cm

«Kreuzkelch» und «Kornähre» sowie den Taufstein. Mit seiner 2. Ehefrau Julie Margrit Gürtler-Hunziker (Heirat 1963) unternahm er eine Weltreise durch Griechenland, Rumänien, Türkei, Indien, Pakistan, Afghanistan, Burma, Thailand und Kambodscha. 1965 erhielt er ein Kunststipendium der Stadt Basel und 1966 einen Preis vom Lions ClubW Basel. Mit dem Preisgeld installierte er 1967 das grosse Atelierfenster an der Ostfassade der Synagoge. 1970 nahm er am Internationalen Bildhauersymposion im österreichischen MauthausenW teil, wo er eine Monumentalplastik
Walter Gürtler Yogananda HP 1970

Walter Gürtler in Mauthausen mit Yogananda, Perger Granit, 1970, H 336 cm, B 130 cm, T 111 cm

«Paramahansa Yogananda» aus Perger GranitW fertigte. Gürtler, der seit 1971 sehr zunehmend naturverbundener und spiritueller lebte, war Vegetarier, seit 1975 Veganer, aktiver Gegner von Atomkraft und Kapitalismus sowie praktizierender TauschhändlerW und SelbstversorgerWnach bio-dynamischer Anbaumethode. Bekannt ist, dass er seit 1970 bis 2007 Anhänger des Paramahansa YoganandaW und Sathya Sai BabaW war. Februar 1975 wurde er Mitglied der SRFW-Meditationsgruppe in Basel und lud seit März 1975 bis zu seinem Tode selbst zu Meditatioen in die ehemalige Synagoge Hégenheim ein. 1997 Führung von Rabbiner Marc Meyer und Lea Rogg durch die Synagoge Hegenheim. Walter Gürtler interessiert sich für die Erforschung der alten Grabsteine im Judenfriedhof Hegenheim von 1673-2002 durch Lea Rogg, welche alle Gräber aufnimmt und ihre hebräischen Inschriften festhält. Walter Gürtler bearbeitet im Ehrenamt während mehreren Monaten über 200 alte Grabsteine durch Freilegen, zum Teil Ausgraben, Reinigen, durch Flicke den Grabstein in Stand zu stellen und neu in Fundamente zu setzten.

Nach Beginn mit kubistisch beeinflussten, statisch wirkenden Figuren entwickelt Gürtler bis Ende der 1960er Jahre eine vertikal ausgerichtete abstrakte Darstellungsweise in Anlehnung an Constantin BrâncușiW, Jean-Paul LaurensW, Hans ArpW und an primitive Kunstformen. Er fertigte in der ehemaligen Synagoge in Hégenheim über 1'000 Holz-, Stein-, Ton und Bronzeskulpturen, viele für den öffentlichen Raum und Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten, zudem mehr als 500 Zeichnungen und Skizzen. Bis 2011 nahm er an insgesamt 34 Ausstellungen in der Schweiz und in Frankreich teil. Skulpturen von ihm befinden sich in Europa, den Vereinigten Staaten und in IndienW. Zudem wirkte er als Vermittler der Bildhauerkunst in Stein und Holz an interessierte Schüler und Bildhauer.

Gürtler starb nach kurzer Krankheit im Spital Moenschberg in Mülhausen.


Werke im öffentlichen Raum

1954 Adam, Granit, Universität Stockholm / 1958 Grosse Sonne, Eiche, Alterszentrum Bachgraben Allschwil / 1960 Der Kämpfer, Granit, ehemalige Gemeindeverwaltung Allschwil / 1961 Waldrelief, Adullam-Stiftung Basel / 1962 Kleine Sonne, Eiche, Kunstkommission Kt. BL / 1964 Kreuzkelch, Gipsrelief, Titus Kirche Basel / 1964 Kreuzkelch, Backsteinrelief, Titus Kirche Basel / 1964 Kornähre, Backsteinrelief, Tituskirche Basel / 1964 Taufstein, Colombay-Kalk, Titus Kirche Basel / 1966 Ausgleich, Marmor, Kunstkreditkommission Kt. BL / 1968 Bienenfleiss der Früchte trägt, Savonnier, Kindergarten Feldstrasse Allschwil / 1969 Kosmos, Kalkstein, Schulhaus Schönenbuchstrasse Allschwil / 1972 Paramahansa Yogananda, Eiche, Rektorat Realschule Basel, Kunstkredit BS / 1973 Yogananda Stehle, Eiche, Kinderspielplatz am Bachgraben, Allschwil und andere.

Einzelausstellungen

1972 Walter Gürtler: Sculture, bei Dimitri, im teatro Dimitri, 6653 Verscio / 1991 Walter Gürtler zum 60. Geburtstag, bei Jeanne Schneeberger, Bahnhofstrasse 10, 3432 Lützelflüh-Goldbach / 2003 Walter Gürtler: Werke aus Privatbesitz, bei Armin Vogt, Galerie, Münsterplatz 8, 4051 Basel / 2011 Walter Gürtler zum 80. Geburtstag, bei Werner Röthlisberger, Galerie am Spalenberg, 4051 Basel / 2013 Walter Gürtler: "50 Jahre Leben und Wirken in der ehemaligen Synagoge Hegenheim", Maison du Rabbin, F-68220 Hégenheim, durch Jeanne Schneeberger / 2014 Walter Gürtler: Ausstellung "drei hoch vier", Heimatmuseum Allschwil, Baslerstrasse 122, 4123 Allschwil, durch Jeanne Schneeberger / 2015 "Kreuzkelch in der Titus Kirche Basel", Titus Kirche, 4059 Basel / durch Jeanne Schneeberger / 2016 "zu zweit", Titus Kirche, 4059 Basel /durch Jeanne Schneeberger, Präsidentin VFWG

Gruppenausstellungen

1958, 1961, Plastik im Freien, Rittermattenschulhaus und Park am See, 2500 Biel / 1958, Villa Olmo, Como, Italien / 1961, 1963, 1966, 1967, 1968, 1972, 1973, 1974, Weihnachtsausstellungen, Kunsthalle, Basel / 1971, 1974, 1979, 1998, 2011, 2 im Heimatmuseum, Einkaufsparadies, 2 im Mühlestall Allschwil / 1972, Binningen, Saint-Louis und Muttenz, 1976, Sissach, 1980 Universitätsbibliothek Basel. 1983, Galerie "zem Specht", Januar- und Juli-Ausstellungen, Gemsberg 8, 4051 Basel / 1987, Ausstellungsraum Klingental/Kaserne 4058 Basel, 1989 Ebenrain, 4450 Sissach / 1998, 1999, 2000, 2002, Complexe Culturel, F-68220 Hégenheim und andere. 2011, Ausstellung im Mühlestall Allschwil

Literatur

Weblink

Einzelnachweise

  1. Léa Rogg: La Synagogue ou la Schule de Hégenheim. Le judaïsme d'Alsace et de Lorraine (ASIJA); abgerufen am 29. November 2016.
  2. Gruppe 33. Band 6 der Editions Galerie "Zem Specht", Basel 1983, S. 274 f. ISBN 978-3-856-96006-3
  • 3. buri gürtler iseli luginbühl meister spescha schaffner, 2. Sept. - 24. Sept. 1961,

Städtische Galerie Biel, Walter Gürtler, Basel, Hammerstrasse 168, Seite 7, Herausgeber: Städtische Galerie Biel, Druck: Hertig & Co. AG, Biel

  • 4. Festschrift zur Einweihung der Tituskirche in Basel, am 1. Advent, 29. N0vember 1964,

Seite 12, Fotos 3 und 4, Herausgeber: Kirchenvorstand St. Elisabethen (Basel)

  • 5. Skulptur im Freien, 30.September bis 22. Oktober 1972, auf den Terrassen und im Innern der Schulhäuser Spiegelfeld Binningen, Walter Gürtler, Seite 20,

Herausgeber: Kunstverein Binningen

  • 6. Kunst in Allschwil - Allschwiler Künstler, 9. November - 1. Dezember 1974,

im Heimatmuseum in Allschwil, Walter Gürtler, Objekte 114 - 118, Herausgeber: Verkehrs- und Kulturverein Allschwil

  • 7. Kleinplastiken und Bildhauerzeichnungen, 28. November 1976 bis 2. Januar 1977,

Walter Gürtler, Hégenheim (Elsass) Herausgeber: Basel Landschaftliche Kunstvereinigung

  • 8. Bildhauer und Bildhauerinnen, Künstlerinformation,

Ausstellungsraum Kaserne Ausstellung vom 31. Mai bis 28. Juni 1987, Gürtler Walthari, 4 Rue d' Alsace, F - 68220 Hegenheim, 16 Seiten, Herausgeber: Atelierhaus Klingental, Kasernenstrasse 23, 4058 Basel

  • 9. 4 Jahrzehnte KUNST in Baselland 1945-1989,

Im Schloss und Park Ebenrain in Sissach vom 3. bis 30. September 1989 Walthari Gürtler, "Der Heilige", Seite 33, Herausgeber: Basel Landschaftliche Kunstvereinigung

  • 10. HEGENHEIM - BUSCHWEILLER, 1998, von Christophe Sanchez,

BULLETIN NR.2 DU CERCLE D'HISTOIRE DE HEGENHEIM - BUSCHWILLER, Walter Gürtler, Sculpteur, Seiten 27 - 29, Imprimerie: P. Bieler S.A., 2c rue de Belfort - Huningue

  • 11. Walter Gürtler, zum 80. Geburtstag,

Katalog 2011, 39 Seiten, von Jeanne Schneeberger, Druck: Jordi AG Belp

  • 12. Titus Kirche Basel, Reliefs zum Neuen Testament, 2014

Peter Moilliet, Aussenreliefs und Walter Gürtler Innenreliefs und Taufstein. Broschüre von Titus Kirche Basel, Pfrn. Monika Widmer: Text, Jeanne Schneeberger: Fotos und Layout, Druck: Haller und Jenzer AG Burgdorf

  • 13. Walter Gürtler, Kreuzkelch in der Tituskirche Basel,

Katalog 2015, 31 Seiten, von Jeanne Schneeberger, Druck: Haller und Jenzer AG Burgdorf

  • 14. Walter Gürtler, "zu zweit", Ausstellung Titus Kirche Basel, 02.-04.09.2016,

Katalog 2016, 39 Seiten, von Jeanne Schneeberger, Druck: Haller und Jenzer AG Burgdorf

  • 15. Baukultur im Bauboom, Basler Bauten 1960-1970, Städtebau & Architektur, Tituskirche

Herausgeber: Bau-und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, 2017

  • 16. werk / Schweizerische Monatsschrift für Architektur, Kunst, Künstlerisches Gewerbe, Januar 1962

Herausgeber: Verlag WERK,Winterthur, Technikumsstr. 83, Postfach 210, Drei junge Basler Bildhauer, Seiten 37-40

  • 17. internationale bildhauer-symposien linz-mauthausen 1970, 1971, 1973

Herausgeber: Verein Internationaler Bildhauer-Symposion, Linz-Mauthausen OÖ, Hannes Haslecker, Lachstatt 13, 4221 Steyregg OÖ / Walter Gürtler, Paramahansa Yogananda, Perger-Granit, 1970, H 3.36m, B 1.30m, T 1.11m.

  • 18. Oberösterreichischer Kulturbericht, XXIV. Jahrgang, Folge 27/28, 18.09.1970, 8 S.

Herausgeber: Kulturabteilung des Amtes der OÖ Landesregierung, Verlag: Amtliche Linzer Zeitung

  • 19. Kunst und Stein, Nr. 5, Oktober 1971, 16. Jahrgang

Herausgeber: Verband Schweizerischer Bildhauer- und Steinmetzmeister (VSBS) Redaktion: Fritz Hauswirth, Zürich / Grait-Bildhauerzentrum in Mauthausen, Walter Gürtler S. 5.

  • 20. Heimatkunde Allschwil, verfasst von Leo Zehnder und Mitarbeiter

Herausgeber: Kantonale Schul- und Büromaterialverwaltung Liestal, 1981, ISBN 3-85673-501, Seiten 382 und 383


Dieser Artikel basiert bzw. Teile davon basieren auf „Walter Gürtler“ in der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 19:21, 29. Nov. 2016‎ (Permanentlink) und steht unter der Lizenz cc-by-sa 3.0 unportedW. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.




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