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San-Bernardino-Pass
Hospiz San Bernardino

San-Bernardino-Pass: Passhöhe mit Hospiz

Himmelsrichtung Norden Süden
PasshöheW 2'066 m ü. M.
Kanton Graubünden
Wasserscheide MaseggbachHinterrheinRhein MoësaTicinoPoW
Talorte Hinterrhein San Bernardino
Ausbau Strasse
Erbaut 1821–1823
Wintersperre Dezember – April
Profil
Ø-Steigung 5 % (454 m / 9,1 km) 6,1 % (457 m / 7,5 km)
Max. Steigung 9,7 % 9,7 %
Karte
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KoordinatenW 733059 / 150990Earth46.4979.1722066Koordinaten: 46° 29′ 49″ N, 9° 10′ 19″ O; CH1903: 733059 / 150990

Der San-Bernardino-Pass (dt. wenig gebräuchlich auch Sankt-Bernhardinpass oder kurz Sankt Bernhardin, ital. Passo del San Bernardino) ist ein Alpenpass im schweizerischen Kanton Graubünden mit einer Scheitelhöhe von 2'066 m.[1] Er verbindet die Täler Rheinwald auf der nördlichen und Misox auf der südlichen Seite an der Hauptstrasse 13. Die Luftdistanz zu den Passfussorten beträgt vier Kilometer bis Hinterrhein (auf 1620 m gelegen) und 12 km bis Mesocco (790 m). Auf der Passhöhe verlaufen die Europäische WasserscheideW und die Sprachgrenze zwischen Deutsch und Italienisch.

Name Bearbeiten

Passhöhe San Bernardinopass

Passhöhe

Seinen Namen erhielt der zuvor Mons avium oder Vogelberg genannte Pass im 15. Jahrhundert, als zu Ehren des Heiligen Bernhardin von SienaW eine Kapelle erbaut wurde. Im Deutschen hat die im 20. Jahrhundert neu gebildete Form San-Bernardino-Pass das historische Bernhardinpass (Bernhardinberg) weitgehend verdrängt. Trotz der Namensähnlichkeit besteht keine Beziehung zu den Pässen Grosser und Kleiner Sankt Bernhard.

Geschichte und Wegverlauf Bearbeiten

Bereits die RömerW nutzten den breiten, topographisch einfachen Passübergang. Der noch bis ins späte Mittelalter benützte Weg führte etwa einen Kilometer östlich der heutigen Passstrasse am Fuss des Piz Uccello (dt. Vogelhorn) entlang.

Verstärkte Rodungen erhöhten das Lawinenrisiko. Um vom im 15. Jahrhundert zunehmenden Transitverkehr – die Strasse durch die Viamala wurde nach 1473 ausgebaut – profitieren zu können, mussten die Leute des inneren Rheinwald und ihre Misoxer Nachbarn handeln. Sie verlegten die Route vom gefährdeten Hangfuss weg in die Mitte des breiten Sattels, eine vom eiszeitlichen Gletscherschliff geprägte Landschaft mit RundhöckerWn und kleinen Mooren. In diese Epoche fällt auch der Bau der Kirche San Bernardino um 1450 auf der Südseite des Passes. Der mit Pflästerung und Stufen an den steilen Stellen sehr solide gebaute SaumwegW (mulattiera) hat sich gut erhalten und dient heute als historischer Wanderweg.

Um 1770 bauten die Dörfer Hinterrhein, Nufenen und Mesocco den Bernhardin zu einer befahrbaren Strasse aus. Sie eliminierten die noch verbliebene lawinengefährdete Passage am Geissberg, die zur 1693 erbauten Alten Landbrugg führte, indem sie den Rhein weiter westlich querten und dafür im Alt Wali eine grössere Steigung in Kauf nahmen. Auf der Passhöhe wurde der Weg ebenfalls nach Westen verlegt, sodass er den Sattel an der tiefsten Stelle überwand. Auch dieses Strässchen – irreführenderweise als Strada romana bezeichnet – kann heute noch begangen werden.

Auf dem Pass kam es 1799 beim Laghetto Moesola zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen einem französischen Heer unter General Claude-Jacques LecourbeW und den 500 Mann des Rheinwalder Landsturms. Die Franzosen schlugen die Rheinwalder in die Flucht und marschierten im Tal ein.

1817 erteilte die Bündner Regierung dem Strassenbauer und Staatsrat Giulio Pocobelli (1766–1843) den Auftrag, ein Projekt mit Kostenvoranschlag für eine Strasse von der Tessiner Kantonsgrenze über den Pass bis nach Chur zu erarbeiten. Innerhalb weniger Tage schritt Pocobelli die rund 100 Kilometer lange Strecke ab und legte dabei die Streckenführung fest. Darauf erhielt er von der Bündner Regierung als Generalunternehmer den Auftrag für den Bau. Baubeginn war am 18. September 1818. An der Südrampe legte Pocobelli die Strasse an den Hang am rechten Ufer der Moësa und überspannte diese an ihrer engsten Stelle mit der Brücke Vittorio Emanuele.

Gegen den Bau wehrten sich die LombardeiW und die Gotthard-Kantone der Innerschweiz.[2] Die 1818–23 unter massgeblicher Beteiligung des Königreichs Sardinien-PiemontW erbaute, bis heute dem Autoverkehr dienende Strasse folgt dem Wegverlauf von 1770, entschärft aber die Steigungen mit vielen Kehren. Auf der Passhöhe wurde ein HospizW eröffnet.

San-Bernardino-Tunnel Bearbeiten

San Bernardino Eingang Nord

Einfahrt in den San-Bernardino-Tunnel, Juli 2015

Am 10. April 1965 wurde die Tunnelröhre zwischen den Dörfern Hinterrhein und San Bernardino bergmännisch durchschlagen und am 1. Dezember 1967 für den Verkehr eröffnet. Der 6,6 km lange Strassentunnel ermöglichte erstmals eine ganzjährige Verbindung für die Bündner Südtäler Misox und Calancatal in die Hauptstadt Chur und verbindet als Teil der Nationalstrasse N 13 (heute A13) die Ostschweiz mit der Alpensüdseite und dem Tessin. Er ist nach dem Gotthard der zweitwichtigste Strassen-Alpenübergang der Schweiz.

Zum Zeitpunkt der Planung war die heutige Verkehrsdichte nicht abzusehen. Die San-Bernardino-Route diente denn auch eher unvorhergesehen dem internationalen Schwerverkehr als Ausweichroute zur A2, dies insbesondere nach der unfallbedingten, temporären Schliessung des Gotthardtunnels im Jahr 2001. Dies, obwohl die Route mit Steigungen bis 8 %, engen Wendekehren und dem schmalen Tunnel für Lastwagen denkbar ungeeignet ist; die Fahrbahnbreite ist knapp bemessen und die Lüftungssysteme entsprachen nicht den Anforderungen. Die entsprechenden Belastungen hatten eine Erneuerung des Tunnels notwendig gemacht. Die 1991 begonnenen Sanierungsarbeiten – flankiert durch Sicherheitsmassnahmen wie die Einführung der Phase Rot – wurden 2006 abgeschlossen. Ein separater Flucht- und Rettungsstollen wurde im Rahmen der Sanierung erstellt sowie folgende Umbauten vorgenommen:

  • Absenkung der Sohle des Mittelkanals
  • Erneuerung des Entwässerungssystems (Trennsystem) und der Leitungskanäle
  • Erneuerung der elektromechanischen Einrichtungen
  • Betriebs- und Brandlüftung den heutigen Anforderungen anpassen
  • Erstellen eines Flucht- und Rettungsstollens (Fluchtabgänge)
  • Abbruch und Neubau der Fahrbahnkonstruktion
  • Erneuerung der Wandverkleidungsplatten
  • Instandsetzung unter Aufrechterhaltung des Verkehrs

Die Gesamtbaukosten betrugen rund CHF 236 Mio. (ca. 148 Mio. Euro).[3]

Herkunft des alten Namens Vogelberg Bearbeiten

Der alte Name Vogelberg bezieht sich möglicherweise auf die Zugvögel, die hier alljährlich in grossen Schwärmen vorbeikommen. Diese haben inzwischen auch den Tunnel als «Abkürzung» entdeckt. Bisweilen muss der Autoverkehr angehalten werden, damit die Vögel ungestört ihren Weg finden.

Allerdings ist aufgrund derselben belegten Bezeichnung „Vogelberg“ auch für das Rheinwaldhorn und die gesamte Gebirgskette sowie dem einzigen im Altertum häufig begangenen Pass San Bernardino oder früher Vogelberg-Pass der Zentralalpen darüber (Gotthardpass und Lukmanierpass wurden erst später eröffnet) die Herleitung von Vögeln sehr wahrscheinlich eine Volksetymologie. Der Name dürfte vielmehr von indogermanisch *uek/-uak/-uei(k) zu lateinisch „vacillare“ als „gebogen sein, krümmen, schwanken“ stammen [4], d.h. das gesamte Bergmassiv sowie Ausgangs- und Zieltal des Passübergangs stehen anders als sonst üblich krumm (abgedreht) zueinander und sind nicht gleich ausgerichtet.

San Bernardino panorama south

Blick vom San Bernardino Richtung Süden


Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Commons-logo.svg Commons: San-Bernardino-Pass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. PasshöheWn-Aufschrift 2066 m / 6778 ft, Foto laut Stele am Hospiz San Bernardino, auf commons.wikimedia.org
  2. Bündner Kalender 2010, S. 112
  3. Tiefbauamt Graubünden: San-Bernardino-Tunnel: 40 Jahre und rundum erneuert, September 2007
  4. vgl. Pokorny, Indogermanisches Etymologisches Lexikon; S. 1130/1134
Dieser Artikel basiert bzw. Teile davon basieren auf „San-Bernardino-Pass“ in der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 15:37, 26. Mär. 2016‎ (Permanentlink) und steht unter der Lizenz cc-by-sa 3.0 unportedW. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


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