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RUAG

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RUAG Holding AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1998
Sitz Bern, Schweiz
Leitung Hans-Peter Schwald
(VR-Präsident)
Urs Breitmeier
(CEO)[1]
Mitarbeiter 8241 (Ende 2013)
Umsatz 1,781 Mrd. CHF (2014)
Branche Luft- und RaumfahrttechnikW und RüstungsindustrieW, Industrieprodukte und Recycling
Website www.ruag.com

Die RUAG Holding AG ist ein Schweizer Technologiekonzern mit Sitz in Bern und hauptsächlich in den Märkten Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Sicherheit mit zivilen wie staatlichen Kunden weltweit tätig. Sie fasst die ehemaligen Rüstungsbetriebe des Bundes in einer privatrechtlichen Aktiengesellschaft zusammen, deren Aktien sich vollumfänglich im Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft befinden.

Standorte Bearbeiten

Die RUAG hat folgende Produktionsstätten:

Zusätzlich gibt es weitere RUAG-Standorte in Belgien, Brasilien, England, Finnland, Frankreich, Malaysia, Österreich, UAE und den USA.

Geschichte Bearbeiten

Die Regiebetriebe Bearbeiten

Die RUAG entstand aus den ehemaligen Unterhalts- und Produktionsbetrieben der Schweizer Armee. Auf Grund der Neutralität der Schweiz und der dabei akuten Gefahr, in Spannungszeiten keine Rüstungsgüter im Ausland beschaffen zu können, baute die Schweiz seit 1863 eine eigene Industriebasis für die Armee auf. Dies waren die Eidgenössische Munitionsfabriken in Thun und Altdorf, die Eidgenössische Waffenfabrik Bern, die Eidgenössische Konstruktionswerkstätte in Thun, ab 1943 das Eidgenössische Flugzeugwerk in Emmen, die Pulverfabriken Wimmis und Aubonne sowie weitere der Armee unterstellte Betriebe.

Ende des Kalten Krieges, Gründung der RUAG Bearbeiten

Der Fall der Berliner MauerW 1989 und das Zusammenbrechen des Eisernen VorhangsW führte in der Schweiz zur Armeereform «Armee 95» mit sinkenden Mannschaftsbeständen, zudem wurde das Budget des Eidgenössischen Militärdepartements (EMD) deutlich verkleinert. Zu spüren bekamen dies entsprechend auch die Industriebetriebe der «Gruppe Rüstung» des EMD, bei denen das Auftragsvolumen stetig sank.

In der Botschaft vom 16. April 1997 zu einem «Bundesgesetz über die Rüstungsunternehmen des Bundes» (BGRB) stellte der damalige EMD-Vorstand, Bundesrat Adolf Ogi, einen Gesetzesentwurf vor, der im Wesentlichen die Ausgliederung und Umwandlung der unselbständigen öffentlich-rechtlichen Bundesbetriebe in privatwirtschaftliche Aktiengesellschaften erlauben sollte. Das Geschäft wurde am 19. Juni 1997 im Nationalrat behandelt, am 29. September 1997 im Ständerat, und schliesslich am 10. Oktober 1997 von beiden Kammern in der Schlussabstimmung angenommen. Nachdem die Frist für das fakultative Referendum am 29. Januar 1998 ungenutzt verstrichen war, konnte das BGRB am 1. Mai 1998 in Kraft treten, womit das Projekt «RüstungsUnternehmen-AktienGesellschaft» (RUAG) in Angriff genommen wurde.

Das Unternehmen wurde am 27. Mai 1998 unter dem Namen RUAG Schweiz AG im Handelsregister Bern-Mittelland eingetragen. Aus dem EMD, welches per 1. Januar 1998 in Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) umbenannt worden war, wurden vier Produktionseinheiten gebildet und ausgelagert und in Aktiengesellschaften umgewandelt:

  • SE Schweizerische Elektronikunternehmung AG (Bern)
  • SF Schweizerische Unternehmung für Flugzeuge und Systeme AG (Emmen)
  • SW Schweizerische Unternehmung für Waffensysteme AG (Thun)
  • SM Schweizerische Munitionsunternehmung AG (Thun)

Die vier operativen Rüstungsunternehmen wurden mit Publikation vom 2. Juli 1999 im Handelsregister, rückwirkend per 1. Januar, von der RUAG Schweiz AG übernommen. Im Mai 2001 erhielt die RUAG Schweiz AG ihren heute gültigen Namen RUAG Holding AG und erstmals eine neue Konzernstruktur, in welcher die SE zu RUAG Electronics, SF zu RUAG Aerospace, SW zu RUAG Land Systems und SM zu RUAG Munition wurden.

Die Entwicklung des Konzerns bis heute Bearbeiten

In OberpfaffenhofenW übernahm RUAG 2003 den zivilen und militärischen Betreuungsbereich der ehemaligen Dornier Luftfahrt GmbHW. Sie betreut dort als RUAG Aerospace Services unter anderem das Hubschrauberbaumuster Bell UH-1DW der BundeswehrW und produziert das zweimotorige Turbopropflugzeug Dornier Do 228 NG. Im Unternehmensbereich RUAG Technology Structures werden verschiedene Strukturbaugruppen vor allem für das Verkehrsflugzeug Airbus A320 hergestellt.

2008 übernahm RUAG vom schwedischen Konzern SaabW den Raumfahrtbereich Saab Space und das österreichische Tochterunternehmen Austrian Aerospace, 2009 Oerlikon SpaceW von OC OerlikonW. Sie firmierten danach unter den Namen RUAG Space AB (Schweden) bzw. RUAG Space GmbH (Österreich) oder RUAG Space als Teil der RUAG Schweiz AG (Schweiz). 2013 wurden die für die Hauptaufgaben nicht unbedingt notwendigen Bereiche der Metallbearbeitung[2] und Oberflächenbearbeitung veräussert und die Division in RUAG Aerostructures umbenannt.

RUAG Defence entstand aus der Zusammenlegung der bisherigen Divisionen Land Systems und Electronics. Im März 2012 wurde von AscomW der Bereich Defence Kommunikation übernommen. Im Herbst 2013 übernahm RUAG die französische GAVAP[3] und schloss sie dem Bereich Training und Simulation der RUAG Defence an.

Unternehmensstruktur Bearbeiten

Die RUAG Holding ist die DachgesellschaftW der RUAG-Tochterunternehmen im In- und Ausland. Die Gruppe ist hauptsächlich in den zwei Marktsegmenten Aerospace und Defence aktiv, wobei stets auch andere Märkte mit technologisch abgeleiteten Produkten und Serviceleistungen bedient werden.

Marktsegment «Aerospace» Bearbeiten

RUAG Aviation Do 228 NG D-CNEU 1.jpg

Von RUAG Aviation produzierte Dornier Do 228 NG auf der ILA 2012

RUAG ADS-90 Ranger ventral view.jpg

Von RUAG Aviation produzierte Drohne RUAG Ranger ADS-95

Amraam Doppelträger.JPG

Von RUAG Aviation produzierte Doppelträger für Amraams an F/A-18

  • RUAG Space für RaumfahrtW, Forschung und Entwicklung.
    In diesem Bereich sind an Standorten in der Schweiz, in Schweden und in Österreich etwa 1100 Personen beschäftigt. Produziert werden Satellitenstrukturen, Trägerstrukturen und Trennmechanismen, Elektronik für Trägersysteme und Satelliten, Kommunikationssysteme und Instrumente. Die Tätigkeiten umfassen alle wichtigen Aspekte von Raumfahrtprojekten von der Missionsanalyse über Systems Engineering auch ganzer Satellitenprojekte, Projektmanagement, Engineering-Dienstleistungen, Zusammenbau und Test von Systemen, sowie Unterstützung und Tests am Startplatz.
  • RUAG Aviation für LuftfahrtW, Forschung und Entwicklung sowie WartungW.
    Der Bereich „Aviation“ leistet Modernisierungs- und Unterhaltsarbeiten an zivilen und militärischen Flugzeugen und Helikoptern. Dies umfasst auch Arbeiten an Triebwerken und Avionik sowie militärischen Systemen. Im Teilbereich „Research“, der mehrere Windkanäle unterhält, werden neuartige Komponenten entwickelt und erprobt. Das kurzstart- und -landefähigeW Flugzeug Dornier Do 228 NG wurde aus den Do 228 weiterentwickelt und wird weltweit vermarktet.
In Alpnach werden von RUAG an Helikoptertypen Aérospatiale AS 332 Super Puma /Cougar und Eurocopter EC635 von verschiedenen in- und ausländischen Nutzern gewartet.
In Emmen führt die RUAG die Unterhaltsarbeiten an den Drohnen ADS-95, Northrop F-5 und McDonnell Douglas F/A-18 der Schweizer Luftwaffe durch. 32 der 34 F/A-18 der Schweizer Luftwaffe wurden von RUAG gebaut.
In Dübendorf unterhält die RUAG das FLORAKO-Luftraumüberwachungssystem der Luftwaffe.
Die Firma ist heute an zehn Standorten in der Schweiz aktiv, wovon sieben auf folgenden Flugplätzen sind: Militärflugplatz Emmen, Militärflugplatz Alpnach, Flugplatz Buochs, Militärflugplatz Dübendorf, Flugplatz Interlaken, Militärflugplatz Lodrino und Flugplatz St. Gallen-Altenrhein, sowie zwei in Deutschland und je einer in Australien, Brasilien und Malaysia. Entstanden ist diese Division aus dem Eidgenössischen Flugzeugwerk (F+W) und dem Zukauf des ehemaligen Dornier-Stammwerk in OberpfaffenhofenW sowie der australischen Firma Rosebank Engineering.
  • RUAG Aerostructures für den Flugzeug-Strukturbau sowie für spezialisierte Bearbeitungs-, Umform-, Oberflächen-, Montage- und Umwelttechnik.
    Sie entwickelt, produziert und integriert vorwiegend strukturelle Baugruppen und Präzisionskomponenten unter Nutzung neuester Technologien in den Bereichen Composite, Blech- und Metallbearbeitung und Montage für die Luft- und Raumfahrt wie auch für die Maschinenindustrie. Hauptkunden sind die grossen FlugzeugherstellerW.

Marktsegment «Defence» Bearbeiten

  • RUAG Defence hat in der Schweiz, Deutschland und Frankreich verschiedene Standorte. Die Hauptkompetenz umfasst heute den Unterhalt, die Reparatur und die Wertsteigerung schwerer Waffensysteme, Schutzlösungen für gepanzerte Fahrzeuge, Robotic-Systeme, Logistiklösungen, virtuelle und Live-Simulationssysteme sowie die Integration, Herstellung, Wartung und den Betrieb von elektronischen Führungs-, Kommunikations-, Radar- und Aufklärungssystemen militärischer und ziviler Organisationen. Für Kampf- und Unterstützungsfahrzeuge betreut sie vornehmlich militärische Landfahrzeuge wie die M113, Panzerhaubitze M109 KAWEST, den Spz 2000 der Schweizer Armee und den Leopard 2.
    Im Auftrag des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vertreibt und liquidiert die RUAG Defence mit der Abteilung Liquidation nicht mehr benötigte militärische Ausrüstungsgegenstände und Fahrzeuge der Schweizer Armee. RUAG betreibt für diesen Zweck drei „ArmyLiqShops“ sowie einen „ArmyTechShop“.[4]
    Die RUAG COBRA ist ein von der RUAG entwickeltes 120-mm-MinenwerferW-System.
  • RUAG Ammotec produziert kleinkalibrige MunitionW bis 12,7 mm und weitere pyrotechnische Industrieprodukte. Neben der Munition für Behörden werden im Bereich Jagd und Sport auch die bekannten Marken wie RWS (Büchsenpatronen und Luftgewehrmunition),[5] Rottweil (SchrotW), Norma PrecisionW (Büchsenpatronen) und Geco (Büchsen- und Handfeuerwaffenpatronen) produziert und vermarktet. Weitere Produkte finden ihre Verwendung unter anderem in der Befestigungstechnik, Automobilindustrie und Stromverteilung.
    2002 entstand die Ammotec durch Übernahme der kleinkalibrigen Munitionsherstellung von Dynamit Nobel und Zusammenlegung mit den Schweizer Produktionsstätten der RUAG. In der Folge sind weitere Firmen dazugekommen, heute hat die Ammotec Produktionsstätten in der Schweiz, Deutschland, Schweden, Ungarn und den USA sowie weitere Verkaufsbüros.

Siehe auch Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Neuer CEO der RUAG. Pressemitteilung vom 24. Oktober 2012.
  2. Verkauf an Berghoff-Gruppe Pressemitteilung vom 5. April 2013.
  3. Die RUAG investiert in das französische Partnerunternehmen GAVAP Pressemitteilung vom 6. November 2013.
  4. Verkauf von Armeematerial
  5. RWSW bedeutet Rheinisch-Westfälische Sprengstoff-Fabriken AG, ein Konzern, dessen Produkte von RUAG integriert wurden. Siehe Philippe Peseux: Connaître les armes et les munitions. Publibook, 2013, ISBN 978-2-342-00394-9. Abkürzungsverzeichnis S. 408 und die im Buch aufgeführte Munition mit dieser Abkürzung (drei Positionen)
Dieser Artikel basiert bzw. Teile davon basieren auf „RUAG“ in der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 12:08, 5. Mär. 2016‎ (Permanentlink) und steht unter der Lizenz cc-by-sa 3.0 unportedW. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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