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Oerlikon GDF-006 35mm Twin Cannon Display at Chih Hang Air Force Base Apron 20130601a.jpg

35-mm-Zwillingsflak Oerlikon GDF-006 auf der taiwanischenW Luftwaffenbasis Chih Hang

Die Oerlikon 35-mm-Zwillingskanone ist eine mobile FlugabwehrkanoneW (Flak), die aus zwei Kanonen der KD-Serie des ehemaligen Schweizer Unternehmens Oerlikon-Bührle (seit 2009 Rheinmetall Air DefenceW) besteht. Ursprünglich wurde das Waffensystem als 2 ZLA/353 ML bezeichnet, jedoch später in GDF-001 geändert. Obwohl sie schon in den 1950er-Jahren entwickelt wurde, wird die Flak heute noch immer in mehr als 30 Ländern benutzt.

Entwicklung Bearbeiten

Die Entwicklung der KD-Serie begann 1952. Die Fachleute bei Oerlikon berechneten das Kaliber 35 × 228 mm als das Optimum für Flugabwehrkanonen. Die Waffe wurde von der nach dem Zweiten WeltkriegW entwickelten 20-mm-KAA-GK-Kanone abgeleitet. Entwickelt wurden verschiedene Typen, unter anderem eine wassergekühlte Variante MK 352, die von der US NavyW getestet wurde. Die Serien-Version MK 323 wurde in zwei Varianten hergestellt, nämlich mit Gurtzuführung (KDA und KDB) sowie mit Fünf-Schuss-Magazin (KDC). Alle Typen sind Gasdrucklader mit beim Schuss starr verriegeltem Verschluss und mechanischer Zündung der Patrone. Die Bezeichnungen der Geschütze leitet sich von Kanone, D (der internen Bezeichnung bei Oerlikon für das Kaliber 35 mm) und A (bis F) für den jeweiligen Typ ab.

Die daraus entwickelten Waffensysteme verwenden dabei immer zwei 35-mm-MaschinenkanoneWn der KD-Serie. Es kann mit dem FeuerleitradarW Super Fledermaus ferngesteuert werden, das in den späten 1970er-Jahren durch das verbesserte Skyguard-System abgelöst wurde.

1980 wurde mit der GDF-002 ein weiterentwickeltes Modell produziert, das eine verbesserte Zielvorrichtung sowie die Möglichkeit erhielt, die Waffe über eine externe Feuerleitanlage fernzusteuern. Einige Jahre später wurde mit der GDF-003 die dritte Version eingeführt, die der vorangegangenen stark ähnelte. Als Erweiterungen wurde die Waffe selbstschmierend ausgelegt und mit einer integrierten Schutzabdeckung versehen. Mit der ab 1985 produzierten Entwicklung GDF-005 wurde das 3D-Computer-Zielgerät Gunking mit einemLaserentfernungsmesserW und digitalem Kontrollsystem eingeführt. Die Waffe hat 112 Schuss feuerbereit, 128 in Reserve, und wird normalerweise mit einem 5-Tonnen-6×6-LKW transportiert.

Die 35-mm-Kanonen der KD-Serie werden heute unter anderem lafettiert im Flugabwehrkanonenpanzer GepardW sowie im britischen MarksmanW eingesetzt.

Die Kanone wird für den Transport von einem Lastwagen bzw. Gabelstapler gezogen, kann aber (auf ebenem Gelände) von sechs Männern gestoßen werden.

Super Fledermaus Bearbeiten

Das Feuerleitsystem Contraves Superfledermaus wurde von zehn Unternehmen gemeinschaftlich entwickelt und produziert. Es umfasst auf einem geschleppten Anhänger ein DopplerradarW im E/F-Band mit einer Reichweite von 15 Kilometern und ein Pulsdopplerrader im J-Band mit ebenfalls 15 Kilometern Reichweite. Im ersten Prototyp des Flakpanzers Gepard wurde das System ebenfalls verwendet.

Skyguard Bearbeiten

FLGer98 Skyguard.JPG

Ein Skyguard-Feuerleitstand von Oerlikon der österreichischen Luftwaffe

Das Feuerleitsystem Skyguard wird ebenfalls in einem geschleppten Hänger transportiert. Auf diesem befinden sich ein Pulsdoppler-SuchradarW und -Feuerleitradar sowie eine koaxiale Kamera. Im Hänger sind weiterhin die zwei Mann der Bedienmannschaft und das benzinbetriebene Stromaggregat untergebracht.

Eine Skyguard-Flugabwehr-Feuereinheit besteht aus dem Skyguard und zwei Zwillings-Flugabwehrkanonen.

Geschichte Bearbeiten

Japanese L90 or GDF-002 35 mm twin cannon.jpg

Eine japanische Version der GDF-002 in fahrbereiter Stellung

  • Aufgrund eines Bundesbeschlusses vom 13. Dezember 1961 wurde die Waffe in der Schweiz ab 1963 unter der Bezeichnung 35 mm Flab Kan 63 mit der Feuerleitanlage 63 (Superfledermaus) eingeführt.
  • Das Waffensystem wurde während des FalklandkriegWes von Argentinien benutzt. Beide Feuerleitsysteme wurden dabei angewendet und am 4. Mai 1982 wurde damit eine Sea HarrierW (XZ450) abgeschossen. Als Konsequenz daraus mieden britische Piloten die Flugabwehrstellungen weiträumiger. Des Weiteren wurde ein RAF HarrierW (XZ988) am 27. Mai 1982 über Goose GreenW abgeschossen.[1] Das Waffensystem wurde außerdem gegen britische Truppen im Kampf um Goose Green eingesetzt.
  • 2007 kamen während einer Übung neun südafrikanische Soldaten ums Leben und 14 wurden verletzt. In Folge eines Defektes drehte sich ein Geschütz seitwärts und feuerte unkontrolliert auf das umliegende Gebiet.[2]

Munition Bearbeiten

35mmFlab.png

Eine Schweizer GDF-005 in Feuerstellung

NATO-Bezeichnung HEI-T HEI HEI(BF) SAPHEI-T FAPDS TP-T/TP AHEAD
Geschossgewicht 535 g 550 g 550 g 550 g 375 g 550 g 750 g
Sprengstoff 98 g 112 g 70 g 22 g n/a n/a n/a
Treibladung 330 g
Patronengewicht 1565 g 1580 g 1580 g 1552 g 1440 g 1580 g 1780 g
Mündungsgeschwindigkeit 1175 m/s 1175 m/s 1175 m/s 1175 m/s 1440 m/s 1175 m/s 1050 m/s
Beschreibung:
  • HEI – High Explosive Incendiary (-T – Tracer), Hochexplosiv/Brandladung
  • SAPHEI – Semi-Armour Piercing High Explosive Incendiary (sprengstoffgefülltes Halb-Panzerbrechgeschoss mit Brandwirkung)
  • FAPDSW – Frangible Armour Piercing Discarding Sabot (im Ziel zerlegendes panzerbrechendes Unterkalibergeschoss)
  • AHEADW – Advanced Hit Efficiency and Destruction, zeitgesteuerte Munition mit 152 schweren Wolfram-Sub-Projektilen.
  • TP – Target Practice (-T – Tracer), Übungsmunition ohne Sprengstoff


Versionen Bearbeiten

FlAK85.JPG

Ein österreichisches GDF-005-Waffensystem (FIAK85). An der Mündung der Waffen sind die V0-Messbasen zu sehen.

  • GDF-001 / 2 ZLA/353 MK: XABA-Zielgerät
  • GDF-002: eingeführt 1980; verbessertes Ferranti-Zielgerät und digitale Datenübertragung
  • GDF-003: geringe Verbesserungen; Waffe selbstschmierend ausgelegt und mit integrierter Schutzabdeckung
  • GDF-005: eingeführt 1985; ausgerüstet mit einem Gunking-3D-Computer-Zielgerät, einem Laserentfernungsmesser und digitalem Feuerkontrollsystem; eingebaute Energieversorgung und Fehlerdiagnose
  • GDF-006: GDF-001/002/003-Varianten; ausgestattet mit einem System zum Verschießen der AHEAD-Munition
  • GDF-007: GDF-005-Variante; ausgestattet mit einem System zum Verschießen der AHEAD-Munition
  • GDF-CO3W mobiles Flugabwehrsystem
  • AHEAD: Ein System, mit dem die Waffen der GDF-SerieAHEAD-MunitionW abfeuern können.
  • GepardW, MMarksmanW, Typ 87W und PZA LoaraW sind verschiedene Flugabwehrkanonenpanzer, die unter Verwendung der KDA-Version der Kanone entwickelt wurden.

Einsatz Bearbeiten

Technische Daten GDF-006/7 Bearbeiten

  • Abmessungen:
    • Kaliber: 35 mm
    • Länge der Waffe: 4740 mm
    • Breite: 356 mm
    • Höhe: 640 mm
    • Länge des Rohres mit V0-Messbasis: 3710 mm
    • Länge des gezogenen Teils: 2923 mm
    • Drallart: Progressivdrall rechts
    • Dralllänge: 2853 mm
    • Drallwinkel: 0°–6° 30"
    • Anzahl der Züge: 24'
  • Gewicht:
    • Kanone feuerbereit: 6700 kg (incl. Munition)
    • Rohr mit V0-Messbasis: 175 kg
    • Waffengehäuse: 200 kg
    • Verschlusspuffer: 12,5 kg
    • Verschluss: 11 kg
    • Waffendecke: 106 kg
  • Munition:
    • Unter- und Vollkalibertypen, Air-Bursting-Munition (ABM)
  • Kadenz:
    • max. 550 Schuss/min (je Rohr)

Literatur Bearbeiten

  • James C. O'Halloran: Jane's Land-Based Air Defence 2005–2006. ISBN 0-7106-2697-5 (englisch).
  • George M. Chinn: The Machine Gun. Volume V. (englisch).

Weblinks Bearbeiten

Commons-logo.svg Commons: 35-mm-Oerlikon-Zwillingskanone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Navalhistory
  2. Blog
  3. 24 Feuereinheiten Fliegerabwehrkanone 35 mm, VBS-Dokumentation – Die Armee in Zahlen (Stand 02/2011)
  4. House of Commons Hansard for 11 Feb 2002 (pt 5).
Dieser Artikel basiert bzw. Teile davon basieren auf „Oerlikon_35-mm-Zwillingskanone“ in der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 14:07, 23. Jan. 2016‎ (Permanentlink) und steht unter der Lizenz cc-by-sa 3.0 unportedW. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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