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Grenzverlauf CH A

Grenzverlauf Schweiz–Österreich

St. Margrethen - Switzerland - Austria (15957725)

Offene Grenze im Rheintal bei St. Margrethen (CH) / Höchst (A) (2005)

Die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz hat eine Länge von insgesamt 180 Kilometern nach Schweizer Auffassung[1] oder von 166 Kilometern nach Auffassung Österreichs.[2] Die Differenz erklärt sich mit dem ungeklärten Grenzverlauf im Tiefenbereich des Obersees, eines Teils des Bodensees.[3] Auf österreichischer Seite der Grenze liegen die Bundesländer VorarlbergW und TirolW, auf Schweizer Seite die Kantone St. Gallen und Graubünden. Der Grenzverlauf ist zweigeteilt in jenen Teil, der im Wesentlichen dem Verlauf des Alpenrheins in Rheintal folgt und jenen Teil, der östlich von Liechtenstein durch hochalpines Gelände entlang diverser Gebirgszüge verläuft. Dazwischen liegt das Fürstentum Liechtenstein, das die gemeinsame Staatsgrenze zwischen Österreich und der Schweiz für einige Kilometer unterbricht.

Abgesehen vom Bodensee wurde der aktuelle Grenzverlauf in einem bilateralenW StaatsvertragW am 16. September 1972 rechtsverbindlich geregelt.

Grenzverlauf Bearbeiten

CINEDOKU VORARLBERG - Rhein - Lustenau - Wiesenrain - Hanno Thurnher Filmproduktion

Die Flussmitte des Alpenrheins, hier zwischen Au (CH, im Bild links oben) und Lustenau (A, im Bild rechts unten), bildet über weite Strecken im Rheintal die Staatsgrenze

Silvretta-Grenzstelle-A-CH-Fimbatal-(1980)

Grenzübergang für Wanderer im hochalpinen Fimbatal

Die Grenze beginnt im Norden im Bodensee, wobei die exakte Grenzziehung im Bodensee nach wie vor strittig ist. Während die Schweiz davon ausgeht, dass der Obersee des Bodensees im Sinne einer RealteilungW den AnrainerstaatWen zuzurechnen ist, herrscht in Österreich die KondominiumWstheorie vor, derzufolge das Gebiet des „Hohen Sees“ (also ab einer Seetiefe von mehr 25 Metern) gemeinsam verwaltetes Gebiet aller Anrainerstaaten sei.[4]

Unstrittig ist der Beginn der Grenzziehung am Rande des Bodensees an der Einmündung des Alten Rheins bei Rheineck SG bzw. Gaissau in den Bodensee. Hier bildet die Mitte des Flusses die natürliche Grenze zwischen den beiden Staaten. Im Zuge der Regulierung des Alpenrheins zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Alpenrhein im Rheintal zwar begradigt, die ursprüngliche Grenzziehung zwischen Österreich und der Schweiz aber erhalten. Dies hat zur Folge, dass die Gemeinden Gaissau, HöchstW und Fussach heute als einzige österreichische Gemeinden westlich des neuen Flusslaufs des Rheins liegen. Beim BruggerlochW im südlichsten Teil des Gemeindegebiets von Höchst wechselt die Grenzziehung in der Folge auf die Flussmitte des (Neuen) Rheins. In diesem Abschnitt bildet der Alpenrhein die Grenze zwischen den Schweizer Gemeinden Au SG und Widnau und der österreichischen Gemeinde LustenauW.

Kurz nach dem Zollamt „Wiesenrain“ wechselt die Grenzziehung abermals auf den Flusslauf des Alten Rheins, der in diesem Teil ein Binnengewässer ist und Diepoldsau zur einzigen Schweizer Gemeinde östlich des neuen Flusslaufs des Alpenrheins im Rheintal macht. Der Alte Rhein und mit ihm die internationale Grenze zieht sich in einem weiten Bogen östlich um Diepoldsau herum. Danach wechselt der Grenzverlauf wieder auf die Flussmitte des (Neuen) Rheins.

Diesem folgt die Grenze bis zum FeldkirchWer Ortsteil BangsW im Südwesten Vorarlbergs, wo die gemeinsame Grenze Österreichs mit der Schweiz durch das Staatsgebiet des Fürstentums Liechtenstein unterbrochen wird. Dieser Dreiländergrenzpunkt stellt gleichzeitig den westlichsten Grenzpunkt Österreichs und den nördlichsten des Fürstentums Liechtenstein dar. Liechtenstein bildet einen Monolithen zwischen Österreich und der Schweiz, wodurch die Staatsgrenze der beiden Staaten erst wieder am Gipfel des NaafkopfWs im RätikonW auf 2571 Meter über AdriaW (bzw. 2570 Meter über MeerW nach schweizerischer Messung) aufeinander treffen. Ab diesem Punkt grenzt auf Schweizer Seite nicht mehr der Kanton St. Gallen, sondern der Kanton Graubünden an Österreich. In der Folge erstreckt sich die Staatsgrenze über den Gebirgskamm des Rätikons und findet ihren Anschluss im Hauptkamm der SilvrettaWkette, wobei unter anderem der Piz BuinW, mit 3312 m ü.A. der höchste Berg Vorarlbergs, einen der Grenzpunkte bildet. Die Überquerung der beiden Gipfel der DreiländerspitzeW markiert die innerstaatliche Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Tirol. Mit dem 3399 m ü.A. (bzw. 3398 m ü.M.) hohen FluchthornW überquert die gemeinsame Grenze in der Folge auch den zweithöchsten Gipfel der Silvretta sowie danach einige Gipfel der SamnaungruppeW. Zwischen Schalkl, einem Ortsteil der österreichischen Gemeinde PfundsW, und Martina, einem Ortsteil der Schweizer Gemeinde Valsot, bei Finstermünz befindet sich die Staatsgrenze über wenige Kilometer in der Mitte des Flussbetts des Inn. Im Anschluss daran führt die Staatsgrenze zwischen TirolW und Graubünden auch wenige hundert Meter durch die Sesvennagruppe und erreicht kurz vor dem Gipfel des Piz Lad im Dreiländereck mit Italien ihr Ende.

Grenzübertritt und Grenzverkehr Bearbeiten

Grenzübergang-Oberriet-Schweiz-01

Grenzübergang zwischenMeiningenW (A) und Oberriet (CH)

Im Alpenrheintal existieren derzeit zehn direkte GrenzübergängeW für den Individualverkehr zwischen der Schweiz und Österreich, wobei alle in Form von Brücken über den (Alten oder Neuen) Rhein bestehen. Der Grenzverlauf südöstlich von Liechtenstein, der sich überwiegend im hochalpinen Gelände befindet, lässt einen grenzüberschreitenden motorisierten Individualverkehr nur zwischen Österreich und Samnaun sowie dem Dorf Martina GR im Unterengadin zu.

Eisenbahnlinien verbinden die beiden Länder zwischen St. Margrethen und BregenzW sowie zwischen Buchs SG und FeldkirchW. Auf beiden Strecken verkehren Züge des Fernverkehrs sowie Nahverkehrszüge der S-Bahn VorarlbergW. Allerdings wird dabei nur auf der Abzweigung Lauterach–St. MargrethenW der VorarlbergbahnW, die im Halbstunden-Takt von der S-Bahnlinie S3 befahren wird, die Staatsgrenze zwischen Österreich und der Schweiz direkt überquert. Die Bahnstrecke Feldkirch–BuchsW, auf der ebenfalls Nahverkehrszüge der Österreichischen BundesbahnenW verkehren, wird über liechtensteinisches Staatsgebiet geführt und überquert daher zunächst die Grenze zwischen Österreich und Liechtenstein und danach jene zwischen Liechtenstein und der Schweiz. Zudem existiert die länderübergreifende Dienstbahn der Internationalen RheinregulierungW mit Museumsbetrieb.

Da Österreich seit 1997, die Schweiz seit 2008 und Liechtenstein seit 2011 zum Schengen-RaumW gehören, finden an der Grenze keine regulärenPersonenkontrollenW mehr statt. Hingegen gibt es ZollkontrolleWn, weil die Schweiz und Liechtenstein nicht Mitglieder der EUW sind. Diese Zollkontrollen werden auf österreichischer Seite von der Operativen ZollaufsichtW und auf Schweizer Seite vom Grenzwachtkorps vorgenommen.

Geschichte Bearbeiten

20 europa 1849

Historische Karte Europas im Jahr 1849

Hinweisschild Grenze CH-A Französische Zone VLM

Hinweisschild der französischen Besatzungstruppen nach dem Zweiten WeltkriegW

Ein gemeinsamer Grenzverlauf zwischen den souveränen Staaten Schweiz und Österreich lässt sich erst im 19. Jahrhundert klar festmachen, da zuvor die europäische Staatenlandschaft so zersplittert war, dass eher von Grenzen zwischen Grafschaften und Herrschaftsgebieten als von nationalstaatlichen Grenzen gesprochen werden kann. Diese Grenzen waren zuvor zudem infolge zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen ständigem Wandel unterworfen. Zum ersten Mal lässt sich eine solche nationalstaatliche Grenze daher mit der Gründung des Kaisertums ÖsterreichW am 11. August 1804 festmachen. Im Jahr 1805, in der Folge desDritten KoalitionskriegsW, verlor das Kaisertum Österreich Vorarlberg und Tirol an das Königreich BayernW und seine italischen Herrschaftsgebiete an das Königreich ItalienW, womit keine gemeinsame Grenze zwischen dem Kaisertum Österreich und der Schweiz mehr bestand. Im Jahr 1815 wurden im Zuge des Wiener KongressWes zur Neuordnung Europas nach den Napoleonischen KriegenW auch die Grenzen der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie des Kaisertums Österreich neu festgelegt. Die gemeinsame Staatsgrenze war zu diesem Zeitpunkt um ein Vielfaches länger, als heute, da insbesondere das Staatsgebiet Österreichs wieder deutlich umfangreicher war. So gehörten die an die Schweiz angrenzenden Gebiete SüdtirolW sowie das Königreich Lombardo-VenetienW zu diesem Zeitpunkt zum Kaisertum Österreich, womit sich die gemeinsame Grenze deutlich weiter nach Süden erstreckte als dies heute der Fall ist. Auch Vorarlberg und Tirol gehörten ab dem Wiener Kongress wieder zu Österreich. Das Tessin grenzte völlig an das österreichische Königreich Lombardo-Venetien.

Dieser Zustand änderte sich im Jahr 1859, als Österreich im Zuge des Sardinischen KriegsW das Königreich Lombardei an Frankreich bzw. Sizilien verlor. Ab diesem Gebietsverlust beschränkte sich die gemeinsame Staatsgrenze Österreich-UngarnWs mit der Schweiz auf die heutige Grenze Südtirols und die heute bestehende Staatsgrenze. 1868 wurde der jahrhundertelange Grenzstreit um den Novellaberg im Unterengadin beigelegt.

Erstmals vertraglich fest verankert und geografisch exakt vermessen wurde die Staatsgrenze jedoch erst im Zuge der gemeinsamen Rheinregulierung. Hierbei wurde die Grenzziehung insbesondere im Rheintal festgelegt, wobei diese sich in der Flussmitte des ursprünglichen Flusslaufs des Rheins befinden sollte. Protokollarisch genehmigt wurde dieser Staatsvertrag über die gemeinsamen Grenzen am 14. bzw. 17. Mai 1909. Im ursprünglichen Staatsvertrag zur Rheinregulierung von 1892 war zwar ebenfalls bereits festgelegt worden, dass die Grenze sich in der Flussmitte des Alten Rheins befinden sollte, jedoch war ebenfalls angedacht, die Grenze im Bereich des Fussacher DurchstichsW in die Flussmitte des neuen Rheins zu verlegen. Dies hätte jedoch zur Konsequenz gehabt, dass die österreichischen Gemeinden Gaissau, Höchst und Fussach an die Schweiz gefallen wären.[5] Nachdem im Jahr 1923 auch der Diepoldsauer Durchstich fertiggestellt worden war, ergab sich die Notwendigkeit, auch in diesem Bereich eine Grenzziehung zu fixieren. Zu diesem Zweck wurde eine gemeinsame Grenzfeststellungskommission aus Vertretern beider Länder gegründet, deren Feststellungen letztlich in einem Protokoll vom 5. November 1935 mündeten.[5]

Nach dem Ersten WeltkriegW verlor die nun neu gegründete Republik Österreich auch Südtirol als Teil ihres Staatsgebiets und die Staatsgrenze ging 1918 auf den heute noch bestehenden Grenzverlauf über. Gröbere Änderungen erfuhr der Verlauf der gemeinsamen Grenze in der Folge nicht mehr. Nachdem im Zuge des „Anschlusses ÖsterreichsW“ an das Deutsche ReichW im März 1938 der souveräne Staat Österreich aufhörte zu existieren, gab es von 1938 bis 1945 auch keine gemeinsame Staatsgrenze mehr zwischen Österreich und der Schweiz. Erst mit der Befreiung Österreichs von den Nationalsozialisten und der Wiedererrichtung der freien Republik im Jahr 1945 lebte auch die gemeinsame Staatsgrenze mit der Schweiz wieder auf. Im Jahr 1954 kam es aufgrund eines neuerlichen Staatsvertrags zwischen der Republik Österreich und der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Bereich des Alpenrheins erneut zu einer Regulierung, die eine Verengung des Mittelgerinnes auf die österreichische Seite vorsah. Aufgrund dessen rückte die in der Flussmitte befindliche Staatsgrenze einige Meter noch Osten, also auf die österreichische Seite, wodurch die Schweiz 9,7 Hektar an Gebietszuwächsen verzeichnen konnte. Um diesen Gebietszuwachs auszugleichen, erhielt Österreich in der gleichen Fläche Gebiete am oberen und unteren Ende des Diepoldsauer Durchstichs zugesprochen, womit in diesem Bereich die Grenze kleinere Abweichungen von der Normallinie innerhalb des Flussbetts aufweist.[5]

In den 1960er-Jahren wurde die Staatsgrenze im Bereich des Alpenrheins erneut von einer gemeinsamen Grenzkommission festgesetzt, was letztlich im Staatsvertrag vom 16. September 1972 über den Verlauf der gemeinsamen Staatsgrenze mündete.[5]

Siehe auch Bearbeiten


Literatur Bearbeiten

  • Ferdinand Waibel: Die Regelung der Staatsgrenzen. In: Internationale Rheinregulierung Rohrschach (Hrsg.): Der Alpenrhein und seine Regulierung. Internationale Rheinregulierung 1892–1992. 2. Auflage, BuchsDruck, Buchs 1993, ISBN 3-905222-65-5, S. 190–192.

Weblinks Bearbeiten

Commons-logo.svg Commons: Grenze zwischen Österreich und der Schweiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Bundesamt für Landestopografie
  2. Artikel Staatsgrenze. In: Ernst Bruckmüller: Österreich-Lexikon. Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, Wien 2004.
  3. Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern
  4. Claudius Graf-Schelling: Die Hoheitsverhältnisse am Bodensee unter besonderer Berücksichtigung der Schiffahrt. Schulthess Polygraphischer Verlag, Zürich 1978, ISBN 3-7255-1914-5.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Waibel: Die Regelung der Staatsgrenzen. In: Internationale Rheinregulierung Rohrschach (Hrsg.): Der Alpenrhein und seine Regulierung. Internationale Rheinregulierung 1892–1992. Buchs 1993.
Dieser Artikel basiert bzw. Teile davon basieren auf „Grenze_zwischen_Österreich_und_der_Schweiz“ in der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 22:37, 28. Jan. 2016‎ (Permanentlink) und steht unter der Lizenz cc-by-sa 3.0 unportedW. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


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