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Erwin Lochmatter (* 1. September 1911 in St. Niklaus; † 9. August 1987 ebenda) war ein Schweizer BergsteigerW, BergführerW und UnternehmerW. Er machte die St. Niklauser QuarzitsteinplattenW über die Grenzen des Wallis hinaus bis nach Deutschland bekannt.

Familie Bearbeiten

Erwin Lochmatter aus St. Niklaus im Schweizer Kanton Wallis war ein Enkel von Josef Marie Lochmatter (1833–1882), dem Begründer und Stammhalter der bekannten St. Niklauser Bergführerdynastie, und ein Sohn von Josef Lochmatter (1872–1915), dem Begründer der neuen St. Niklauser Bergführerschule. Wie sein Vater wuchs Erwin als Halbwaise auf.

Das Ehepaar Berta Burgener (1914–1998) und Erwin Lochmatter hatte vier Kinder. Berta Burgener war eine Verwandte des «Königs der Bergführer» Alexander Burgener.

Berg- und Skiführer Bearbeiten

Im Jahre 1934 erlangte Erwin Lochmatter das Bergführer- und Skiführer-Diplom nach der Verordnung des Kantons Wallis vom 13. Februar 1925. Er führte Gäste bis in die fünfziger Jahre insbesondere auf die Gipfel der Walliser Bergwelt, die ihn zumindest in seinem Führerbuch lobten. Einer seiner Stammgäste war der belgischeW Banquier Jacques Verhagen, der meinte, dass Lochmatter ebenso hervorragend Auto fahre wie führe. Diese alpinen Fähigkeiten kamen ihm als Unternehmer zugute, zählen die Quarzitplattenbrüche der Gemeinde St. Niklaus doch zu den wenigen europäischen Steinbrüchen ohne Strassenerschliessung. Das Original-Führerbuch von Erwin Lochmatter findet sich heute im Bergführermuseum von St. Niklaus.

Am 7. August 1962 wurde seinem älteren Sohn Walter vom Kanton Wallis ein Führer-Aspiranten-Büchlein ausgestellt.[1]

Unternehmer Bearbeiten

Am 23. April 1944 erwarb Erwin Lochmatter zusammen mit seinem Jahrgänger Ulrich Imboden (1911–1988) die Konzession zum Abbau des Quarzits auf dem Gebiet der Gemeinde St. Niklaus. Lochmatter übernahm die St. Niklauser Steinbrüche und leitete deren Betrieb, während Imboden sich auf die Leitung des Bauunternehmens konzentrierte. Im Jahre 1945 begann mit dem Erwerb der Abbaukonzession durch Erwin Lochmatter auch die Geschichte des kommerziellen Quarzitabbaus auf dem Gebiet der Gemeinde Embd, die talabwärts an die Gemeinde St. Niklaus grenzt. Am 24. Oktober 1954 verlängerte die Gemeinde St. Niklaus die Abbaukonzession von Lochmatter und Imboden, wobei Imboden noch am 11. November des gleichen Jahres sein Konzessionsrecht an Lochmatter abtrat und Abbaubetrieb und Bauunternehmen nunmehr vollständig voneinander getrennt waren. 1955 gingen Konzession und Steinbrüche auf dem Gebiet der Gemeinde Embd an die St. Niklauser Familie Biner über.

Die grüne Farbe und seine gute SpaltbarkeitW machen den St. Niklauser Quarzit einzigartig. Jährlich wurden über 1'500 Tonnen Quarzit auf dem Gebiet der Gemeinde St. Niklaus ausgebeutet. Der Absatz des Materials gliederte sich folgt:

  • Wallis 25 % (wovon regional hauptsächlich Dachplatten),
  • übrige Schweiz 30 % und
  • Ausland 45 %.

Die häufigsten Auslandslieferungen gingen nach DeutschlandW, viele aber auch nach Belgien oder in die NiederlandeW.

Dabei wurden von den bis zu 600 Meter langen Stollen Quarzitblöcke aus dem Felsen gesprengt. Diese schweren Steinblöcke wurden auf besondere Rollwaggons verladen und auf Schmalspurschienen ans Tageslicht gezogen, wo sie mit Hammer und Meissel in Schichten aufgespalten wurden. Je nach Grösse und Qualität wurden die Platten sortiert. Die Platten mit einer regelmässig grünlichen und ebenen Oberfläche wurden zu Terrassenplatten, Treppenstufen, Fensterbänken usw. weiterverarbeitet, wobei bei diesem Arbeitsgang die Kanten in einem bestimmten Mass oder anhand einer Mustervorlage zugefräst wurden. Die Oberfläche der Platten blieb jeweils gespalten und wurde nicht weiterverarbeitet.

Erwin Lochmatter übergab im Jahre 1972 seinen Betrieb Erwin Lochmatter Quarzitsteinbrüche St. Niklaus an seine Zwillingssöhne Walter und Anton Lochmatter (Gebrüder Lochmatter Quarzitsteinbrüche St. Niklaus). Im Jahre 1975 verunglückte Anton Lochmatter vor seinem 35. Geburtstag am 22. Dezember tödlich im Steinbruch. Auf dem Gebiet der Gemeinde St. Niklaus wurde bis zum Unfalltod von Walter Lochmatter am 16. März 2005 im Steinbruch kommerziell Quarzit abgebaut (Walter Lochmatter Quarzitsteinbrüche St. Niklaus). In der ersten Generation waren über 60 Mitarbeiter in den Quarzitplattenbrüchen der Firma Lochmatter beschäftigt. In der zweiten Generation sank die Zahl im Zuge einer zunehmenden Technisierung des Abbaubetriebes auf rund 20 Mitarbeiter.

Literatur Bearbeiten

  •  Christian Imboden: Berge: Beruf, Berufung, Schicksal. Die St. Niklauser Bergführer als Wegbereiter des internationalen Alpinismus. Rotten Verlag, Visp 2013, ISBN 3-907624-48-3. (Kapitel Die Bergführer von St. Niklaus und die Quarzitsteinbrüche des Nikolaitals).
  • Christian Imboden: Tourismus in der Gemeinde St. Niklaus: Rückblick, Gegenwartsanalyse und Grundlagen für ein zukunftsgerichtetes Tourismuskonzept. Universität Bern, 1992 (Kapitel Die Quarzit-Plattenbrüche).

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1.  Christian Imboden: Berge: Beruf, Berufung, Schicksal. Rotten Verlag, Visp 2013, ISBN 3-907624-48-3. S. 63.
Dieser Artikel basiert bzw. Teile davon basieren auf „Erwin Lochmatter“ in der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 13:20, 8. Okt. 2016‎ (Permanentlink) und steht unter der Lizenz cc-by-sa 3.0 unportedW. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.